Der Shagya-Araber - Die Benotung

Die Bewertung der Pferde, die gleichzeitig der Orientierung der Züchter über das angestrebte Zuchtziel dienen soll, umfasst bis zu acht Teilkriterien mit der folgenden Benotung:

1. Für die Shagya-Araber soll das 10er-System angewendet werden. Die Notenskala umfasst:

  • 10 ausgezeichnet outstanding excellent
  • 9 sehr gut - very good - tres bien
  • 8 gut - good - bien
  • 7 ziemlich gut - pretty good - assez bien
  • 6 befriedigend - satisfactory - satisfaisant
  • 5 genügend - sufficient - suffisant
  • 4 mangelhaft - insufficient - insuffisant
  • 3 ziemlich schlecht - rather bad - assez mauvais
  • 2 schlecht - bad - mauvais
  • 1 sehr schlecht - very bad - tres mauvais

 

2. Es soll nach folgenden Kriterien gerichtet werden:

  • 1) Typ = Rasse- und Geschlechtstyp im Gesamteindruck
  • 2) Kopf = Typmerkmale, Grösse, Ausdruck, Auge
  • 3) Hals = ausreichende Länge, Reitpferdepoints
  • 4) Gebäude = Oberlinie, einschliesslich Widerrist und Schweifhaltung, Länge, Tiefe und Breite des Rumpfes
  • 5) Fundament = Knochenstärke, Gelenke, Hufe, Korrektheit
  • 6) Schritt = Raumgriff, Unterfussen, Viertakt, Korrektheit
  • 7) Trab = Raumgriff, Schwung, Elastizität, Zweitakt, Korrektheit
  • 8) Galopp Raumgriff, Unterspringen, Schwung, Elastizität, Dreitakt, Korrektheit*

* Soweit die Möglichkeit einer Vorführung der Pferde im Galopp besteht - sei es durch freies Laufenlassen oder unter dem Reiter sollte auch diese Gangart benotet und als ein weiteres Teilkriterium zur Errechnung der Gesamtnote herangezogen werden.

Die Gesamtnote eines Pferdes errechnet sich aus der Addition der Wertnoten der Teilkriterien, dividiert durch 7 bzw. 8.

Der Rassetyp: Der Shagya-Araber soll bezüglich Klein heit des Kopfes, seines Gesichtsausdrucks, der Grösse und Ausstrahlung des Auges, der Form der Nüstern und der Ohren, der Gestalt der Kruppe, der Trockenheit des Fundaments und seidigen Feinheit des Haares arabische Typmerkmale aufweisen. Er soll jedoch nicht den extremen Typ des Wüstenarabers vertreten, sondern deutlich grösser, grösserrahmig, muskulöser und stärker im Fundament sein.

Der Geschlechtstyp: Ein Hengst muss im Gesamteindruck und Verhalten erkennbar männlich, eine Stute weiblich sein. lntermediäre Typ-Formen befriedigen seiten in der Vererbung.

Der Kopf: Der Kopf soll die Persönlichkeit des Pferdes widerspiegeln und arabische Merkmale aufweisen. Er darf nicht gross und schwer wirken. Die Nasenlinie kann leicht konkav oder gerade verlaufen. Ramsköpfe sind unerwünscht. Auf normale Gebissstellung achten.

Der Hals: Ein langer, edler, nach oben gewölbter Reitpferdehals mit leichter Kehle ist eine der schönsten Partien des Pferdes. Ein schweres Genick, ein kurzer, dicker Hals, ein nach unten gewölbter Unterhals oder ein tief angesetzter Hals beeinträchtigen die Harmonie des Gesamtbildes und die reiterliche Eignung jedes Pferdes erheblich. Hier wird man bestenfalls noch die Note "genügend" geben können.

Das Gebäude: Für die Gebäudenote ist die richtige Bewertung des Rahmens des Pferdes also des Verhältnisses seiner Grösse zu seiner Länge, eine wichtige Voraussetzung.

Den Rahmen des Pferdes bilden die horizontale Begrenzungslinie des Widerristes, der Erdboden und die tangentialen Vertikalen am Bug Gelenk und am Sitzbeinhöcker. Die Grösse ist seine Widerristhöhe, gemessen mit dem Stockmass, seine Rumpflänge ist die Entfernung vom Buggelenk zum Sitzbeinhöcker.

Shagya-Araber von 150 bis 153cm sind als klein, von 154bis 157 cm als mittelgross von 158 bis 161 cm und mehr als gross zu bezeichnen.

Der Rahmen sollte immer etwas länger als hoch sein, also ein Rechteck bilden. Unerwünscht sind der quadratische Rahmen - so lang wie hoch - der meist mit einem festen Rücken und begrenztem Schritt und Galoppiervermögen verbunden ist, und der Langrechteck-Rahmen mit zu langem Mittelstück, welcher ein erschwertes Untertreten zur Folge haben kann.

Der Markt bevorzugt im allgemeinen den grossrahmigen Shagya-Araber. Das bedeutet, dass das Gebäude zumindest gut mittelgross und etwas länger als hoch sein sollte.

Die Gurten- und Flankentiefe müssen in einem harmonischen Verhältnis zum Gesamtrahmen stehen von vorn gesehen soll die Brust gut entwickelt sein. Eine ideale Bemuskelung ist gegeben, wenn aus dieser Sicht die beiden Ellenbogengelenke einen etwas grösseren Abstand voneinander haben als die Buggelenke.

Derselbe Parameter gilt für die Beurteilung der Bemuskelung der Hinterhand, der «Hosen», von hinten gesehen. Auch hier soll sich die Muskulatur von der Höhe der Hüfthöcker nach unten zu den Kniegelenken hinverbreitern. Auch die Bemuskelung der inneren und äusseren Unterschenkel vom Knie zum Sprunggelenk ist wichtig für die Schubkraft der Hinterhand.

Die Oberlinie: Sie reicht von den Ohren bis zur Schweifspitze. Sie soll den Verlauf und die Länge aufweisen, welche das geborene Reitpferd, aber auch das anspruchsvolle Wagenpferd ausmachen: eine gewisse Aufrichtung und betonte Länge des leicht nach oben gewölbten Halses, einen langen und genügend hohen Widerrist, eine lange und nicht zu abfällige Kruppe und den erhaben und ruhig getragenen Schweif, die Fahne des Propheten!

Das Fundament: Die Knochenstärke muss dem Kaliber des Pferdes entsprechen. Die Gelenke und ihre Fortsätze - der Ellenbogen, das Erbsbein und der Sprunggelenkshöcker müssen ausgeprägt und Kräftig sein. Das Vorderfusswurzelgelenk darf nicht ausgeschnitten, das Sprungelenk nicht zu kurz und zu schmal sein. Die Gliedmassenachse des Vorderbeins darf weder von vorn (X-Bein) noch von der Seite (vorbiegig oder rückbiegig) im Vorderfussgelenk gebrochen sein. Unterarm und Unterschenkel müssen lang, die Röhrbeine vorn und hinten kurz und kräftig sein. Wichtig für die Elastizität der Gänge ist ein mittellanger Fesselstand. Minimale Verstellungen sollte man nicht überbewerten, soweit sie den bewegungsablauf in keiner Weise beeinträchtigen;eindeutige verstellungen bedeuten Punktabzug.

Vielfach nichtgenügend beachtet werden beim Richten die Regelmässigkeit und Gesundheit der Hufe. Relativ häufige Abweichungen sind der Bockhuf und der trachtenzwang. Minimale Taktfehler bzw. Lahmheiten können durch Notenabzug geahndet werden. Bei eindeutig schmerzhafter Lahmheit ist nur Ausschluss zulässig.

Die Gangarten - Der Schritt: Der Schritt ist die meistbenutzte, also wichtigste Gangart des Pferdes. Sein Raumgriff bei energischem Unterfussen - der Hinterhuf soll in, besser noch vor die Spur des Vorderhufes treten - sein natürlicher, klarer Viertakt und die Korrektheit der Gliedmassenführung sind die entscheidenden Kriterien. In einem guten Schritt vereinigen sich darüber hinaus selbstbewusste Haltung, Fleiss und Gelassenheit. Es gibt Zuchtpferde, welche eine nicht taktmässige, passähnliche Schrittfolge vererben. Daher muss der Richter diesen Mangel durch Notenabzug bewerten. Leider haben manche Shagya-Araber einen höchstens «befriedigenden» Schritt. Umso wichtiger ist es, dass diejenigen, die einen besseren Schritt besitzen, auch die verdient bessere Note erhalten.

Der Trab: Der Trab ist eine beschwingter den Reiter, den Fahrer und den Zuschauer oft begeisternde Gangart. Auch hier kommt es auf den Raumgriff an - nicht zu erhaben und nicht zu flach - und auf das schwungvolle Unterfussen. Die Schulterfreiheit, der Schub aus der Hinterhand und der reine zweitakt bei schwingendem Rücken kennzeichnen den guten Trab. Ein extremer Schautrab mit weggedrücktem Rücken und gespannten Tritten verdient nicht die höchsten Noten.

Der Galopp: Er ist die variabelste Gangart des Pferdes und wird von den meisten Reitern in ihren verschiedenen Abstufungen vom versammelten Galopp, Arbeits-, Mittel- bis zum starken Galopp als die schönste empfunden. Die zu beurteilenden Qualitätsmerkmale sind hier: der freie vorgriff der vorhand, der schub von hinten, die Elastizität und Geschmeidigkeit der Bewegungen bei korrekter Gliedmassenführung im Dreitakt.

Weiterlesen: Richterliste der Internationalen Shagya-Araber Gesellschaft